Sicher auf dem Eis

Verschneite Wälder, idyllische, zugefrorene Seen, Flüsse und Bäche - fertig ist das Wintermärchen. Es gibt kaum jemanden, der sich dieser Romantik entziehen kann. Nicht oft bietet sich in unseren Breitengraden die Möglichkeit zu ausgedehnten Spaziergängen auf glitzerndem Eis, die Gelegenheit zum Schlittschuhlaufen oder einem rassigen Eishockeymatch.

Doch Vorsicht: Eis kann tückisch und trügerisch sein. Nicht immer hält die glitzernde Pracht was sie verspricht.

Die Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) wachen nicht nur im Sommer an Küsten, Seen und Flüssen, sie leisten auch im Winter weit über 150.000 Stunden im Wachdienst an zugefrorenen Gewässern.

Zum Beginn der kalten Jahreszeit möchte Ihnen die DLRG einige wichtige Hinweise zum richtigen Verhalten auf dem Eis geben, wie man sich bei einem eventuellen Einbruch ins Eis richtig verhält oder anderen helfen kann.

Vorsicht ist das oberste Gebot

Wagen Sie sich nicht gleich an den ersten Frosttagen aufs Eis. Es braucht viel Zeit, um tragfest zu werden. Je nach Temperatur und Sonneneinstrahlung kann das Wochen oder Monate dauern. Bei stehenden Gewässern sollte das Eis mindestens 15 cm dick sein, bei fließenden Gewässern mindestens 20 cm. Besondere Vorsicht ist bei Seen geboten, die von Bächen oder Flüssen durchflossen werden. An diesen Stellen kann die Eisdecke wesentlich dünner und nicht tragfähig sein.Vorsicht auch an den Uferzonen, die mit Bäumen und Sträuchern bewachsen sind. Hier wächst das Eis erheblich langsamer.

Erkundigen Sie sich vorher bei ortskundigen Fachleuten und beim zuständigen Amt, ob man das Gewässer gefahrlos betreten oder Schlittschuh laufen kann.

Achten Sie auf Warnungen und Hinweise in lokalen oder regionalen Medien.


Das sollten Sie beachten:

  • Nach Möglichkeit nur auf bewachten Gewässern Schlittschuhlaufen oder einen Eisspaziergang machen.
  • Wagen Sie sich nie allein aufs Eis.
  • Prüfen Sie vor dem Betreten die Eisqualität.
  • Dunkle Stellen signalisieren: Das Eis ist noch zu dünn. Es droht Gefahr einzubrechen.
  • Wenn das Eis knistert und knackt, verlassen Sie es sofort. Am besten flach auf das Eis legen und versuchen, in Bauchlage das Ufer zu erreichen. Rufen Sie um Hilfe.
  • Schauen Sie sich vor dem Betreten nach geeigneten Rettungsmitteln um, z.B. Stangen oder Äste, und legen Sie diese an einem sicheren Platz gut sichtbar bereit.

Wie rette ich mich selbst?

Wenn man ins Eis eingebrochen ist, ist folgendes zu beachten:

Versuchen Sie sich in Bauch- oder Rückenlage auf feste Eisschichten in Richtung Ufer zu bewegen, weil eventuell die Eiskante weiter abbricht. Rufen Sie um Hilfe. Bewegen Sie sich ansonsten so wenig wie möglich. Ist das Loch nicht sehr groß, versuchen Sie mit den Füßen die gegenüberliegende Eiskante zu erreichen. Dann können Sie sich mit den Füßen abdrücken.
Haben Sie das Ufer erreicht, suchen Sie sofort einen beheizten Raum auf und wärmen Sie sich langsam auf.
Begeben Sie sich grundsätzlich in ärztliche Behandlung.


Wie rette ich einen Verunglückten?

  • Auch hier gilt: Gewicht verteilen, möglichst auf dem Bauch zur Unfallstelle bewegen.
  • Möglichst nicht ohne Hilfsmittel zur Einbruchstelle begeben.
  • Sind keine Hilfsmittel vorhanden, auf den Bauch legen und dem Verunglückten äste oder Kleidung reichen.
  • Bei mehreren Helfern eine (Rettungs-) Kette bilden. Alle legen sich auf den Bauch. Untereinander durch eine Leine oder Festhalten sichern.
  • Hilfsmittel, die das Gewicht verteilen, können Bretter, Leitern, Bohlen oder Schlitten (Kufen nach oben) sein.
  • Mit langen Stangen oder Leinen kann auch mit Sicherheitsabstand zur Einbruchstelle dem Verunglückten geholfen werden.
  • Bei aller Vorsicht ist Eile geboten. Der Verunglückte ist sehr schnell abgekühlt, so daß er selbst nicht mehr mithelfen kann oder sogar bewusstlos wird.
  • Nach der Rettung den Verunglückten sofort mit Decken oder trockener Kleidung langsam aufwärmen und auf jeden Fall liegend (Arme und besonders die Beine dürfen nicht höher liegen als das Herz, sonst droht der Bergungstod) in einen beheizten Raum bringen.
  • Bei Bewusstsein warme, zuckerhaltige Getränke verabreichen, aber keinen Alkohol geben.
  • In völlige Ruhelage bringen.
  • Notruf veranlassen.